Der wilde Osten

Geschrieben von Dr.Notch.

Meine letzten Bilder von der Ostküste der Nordinsel. Meine letzten Tage in Neuseeland, bevor ich meine Reise über den pazifischen Ozean beginne, verbrachte ich zwischen Gisborne und Opotiki.

Der Osten der Nordinsel Neuseelands ist wirtschaftlich eine benachteiligte Region Neuseelands. Viele der kleinen Kommunen entlang des Highway 25 von Gisborne nach Opotiki sind arm …

Verbittertste Auseinandersetzungen wurden hier zwischen den neuen Kolonialherren und den nativen Maori gefochten. Im ersten und zweiten Weltkrieg wurden viele der Männer aus dieser Region Neuseelands zum Militärdienst eingezogen und dienten auf den Schlachtfeldern Europas und Nordafrikas. Hier heirateten bereits 1830 Europäer mit Maori und bekämpften gemeinsam mit ihnen die dreist landraubenden Briten, denen sie schlussendlich doch unterlagen. Die ökologischen Folgen dieser Landübernahme sind hier vielerorts sichtbar und die Rücksichtslosigkeit mit der hier vor 130 Jahren sämtliche ursprüngliche Vegetation niedergebrannt wurde, um Platz für Viehzucht zu schaffen, setzt sich heute in anderen Formen der Landnutzung durch schnellwachsende Nadelbäume fort. 12 lokale Maori mit langen Dreadlocks die Rastas oder Ngati Dread, setzten sich in Ruatoria während den achtziger und neunziger Jahren vehement für einen freien Zugang zu ihrem Berg „Hikurangi“, der von Farmland umzingelt war, ein. Es begann mit der schlichten Forderung, gefolgt von durchscheiden der Weidezäune und niederbrennen der Scheunen. Es gipfelte in jahrelange Auseinandersetzungen, bei denen unter anderem die Polizeistation, das Gerichtsgebäude und die Bankfiliale des kleinen Örtchens in Ruatoria niederbrannten. Spezialeinheiten von Polizei und Armee, die in nicht endenden Scharmützeln mit den rebellischen Einwohnern schließlich die Unbeugsamen unter ihnen vor Gericht brachte und diese anschließend teils viele Jahre in Hochsicherheitsgefängnissen verbrachten. Heute ist der Hikurangi frei zugänglich und wer ihn bezwingt, sieht an diesem östlichsten Punkt vor der Datumsgrenze, den ersten Sonnenstrahl eines jeden Tages. Die Unbeugsamkeit ist den Menschen in Ruatoria geblieben und auch wenn dieses Örtchen zu einer der ärmsten Gemeinden Neuseelands gehört, sind die Menschen Reich an Hilfsbereitschaft untereinander. Ein jeder hat einen gut gefüllten Vorratsschrank, der mit Wild, Fisch und Gemüse aus der umliegenden Natur überquillt. Fremden und dem Staat gegenüber ist man hier besonders misstrauisch. Ich zähle vielleicht zu den wenigen Außenstehenden, die hier in vielen vorausgegangenen Reisen enge Freundschaften knüpfen konnten. Ich kann mich ungezwungen mit der Kamera im Ort bewegen. Viele Tätowierungen habe ich in Ruatoria gemacht und jede Menge gute Zeiten erlebt. Diesmal war es mir eine besondere Ehre meinen Kumpel Whare, einen der ursprünglichen zwölf Rastas, bei seiner ehrenamtlichen Arbeit als Boxtrainer mit den Kindern Ruatorias beobachten zu dürfen. Gemeinsam mit dem Schuldirektor Phil kümmert sich Whare seit sechzehn Jahren um Kinder, die außer dem gemeinsamen Training nicht viel haben. Viele von ihnen haben nicht einmal Schuhe für den Sport. Der Ehrgeiz mit dem sie bei der Sache sind ist unbeschreiblich. Ihre Erfolge im ganzen Land bekannt. Mehrere nationale Titel sind von den gut ausgebildeten Amateurboxern Ruatorias in verschiedenen Altersklassen gewonnen worden.

Meine Reise durch den wilden Osten im Land der langen weißen Wolke endete in Opotiki, wo ich viele alte Bekannte wiedertreffen konnte…

Der Osten ist Wild….sehr Wild und wunderbar ungezähmt.