Meine Reise über den Pazifischen Ozean

Geschrieben von Dr.Notch.

Am 13.3. bin ich in Tauranga/Neuseeland an Bord des Containerschiffs „ANL Bindaree“ gegangen um den Pazifischen Ozean auf die langsame Art und Weise und nicht wie oft zuvor, mit dem Flugzeug zu überqueren.

Von Anbeginn der Planung zu dieser Reise, hatte ich davon geträumt, die großen Ozeane die es auf dieser Weltumrundung zu überqueren gilt, mit dem Schiff und nicht wie gewohnt im Flugzeug, in wenigen Stunden, zu bereisen …

Ich bin froh diesen Traum wahr gemacht zu haben. Den größten Ozean dieses Planeten und seine unendliche Weite von einem Schiff aus zu erleben, war eine großartige Erfahrung. Es hat zwar 17 Tage gedauert um von Neuseeland nach San Francisco, an die Westküste der USA zu reisen, allerdings hatte ich nicht einen Tag Langeweile hier an Bord.

Es gab viel zu entdecken. Die Technik und deren Zusammenspiel, die ein modernes Containerschiff funktionieren, ist sehr umfangreich. Viele Tage verbrachte ich damit verschiedene Bereiche dieses Schiffes kennenzulernen. Die Gastfreundschaft der 22 Köpfigen Mannschaft und deren Bereitschaft mir alles zu zeigen was mich interessierte, haben mir die Möglichkeit gegeben einen ziemlich exakten Einblick über das Leben und die Arbeit an Bord zu bekommen. Die Zeiten der Seefahrerromantik, in denen Schiffsmannschaften bei Hafenaufenthalten ganze Kneipen leersoffen und die Puppen tanzen ließen, scheinen vorüber zu sein. Die Aufenthalte in den Häfen heutzutage sind aufgrund der hohen Kosten für Liegezeiten und durch schnelles Be- und Entladen des Schiffes, so kurz terminiert, dass es eine Seltenheit ist, dass die Mannschaft überhaupt in der Lage ist an Land zu gehen. Manche Besatzungsmitglieder sind für 5 Monate von ihren Familien getrennt, andere sogar für 10. Solange dauern die Verträge die Seeleute für eine Tour eingehen. Danach sind sie für zwei bis drei Monate Zuhause bei ihren Familien, bevor sie wieder auf Fahrt gehen.

Diese Reise ging zunächst in fünf Tagen von Tauranga nach Papeete/Tahiti. In Papeete dauerte unser Aufenthalt etwa 15 Stunden. Es gab die Möglichkeit einen Teil der Hauptstadt dieses Südseeparadieses im Südpazifischen Ozean zu besuchen. Da der kleine Hafen fast im Zentrum von Papeete liegt, war es möglich vom Pier in den Ort zu laufen und ein letztes Mal auf dieser Reise Polynesische Kultur zu erleben. Ich genoss es sehr noch einmal, bevor ich den amerikanischen Kontinent erreiche, diese typisch Polynesischen Menschen zu erleben, die in Tahiti, obwohl sie dort Französisch sprechen, den Menschen von Samoa, Hawaii oder den Maori in Neuseeland doch sehr ähneln. Es war schön noch mal Musik von der Ukulele zu hören, kräftige Frauen mit tropischen Blumen im Haar, sehr kräftige Männer mit schwarzen Tätowierungen, und bunte Märkte zu sehen. Noch einmal konnte ich in Papeete frischen, rohen Thunfisch genießen bevor ich diese bunte tropische Welt und ihre sehr speziellen Menschen verlasse.

Von Papeete aus ging es weiter in Richtung Norden über denÄquator zurück auf die Nordhalbkugel des Planeten. Außer einem winzigen Atoll habe ich nach Tahiti kein Land gesehen bis wir am 30.3. die Kalifornische Küste erreichten. Die Stimmung und der Teamgeist an Bord dieses Schiffes waren fantastisch und ich war beeindruckt von der Leistung dieser Männer. Vom kleinsten Angestellten bis zum Kapitän gehen alle respektvoll miteinander um und es wird sich gegenseitig geholfen bei der Arbeit. Männer aus Polen, Rumänien, Kroatien, Spanien, Montenegro und den Philippinen arbeiten und leben an Bord dieses Schiffes gemeinsam. Bei ihrer Runde zwischen der Westküste der USA und Australien mit Zwischenstopp in Neuseeland, sind sie rund sieben bis acht Wochen unterwegs. Langeweile haben sie eher selten, es gibt immer etwas zu tun auf so einem Schiff. Vom über vierzig Grad warmen Maschinenraum, der einen neun Zylinder Motor mit 44.000PS, der drei Stockwerke hoch ist beherbergt und bei Volllast 2500 Liter Treibstoff in der Stunde verbraucht, bis zur Brücke, die vollgestopft mit modernster Technik ist, habe ich alles auf diesem Schiff kennenlernen dürfen.

Eine besondere Freude war es mir, initiiert durch Interesse der Mannschaft, einen mehrstündigen Vortrag mit Bildern und Filmen über meine bisherige Reise in der Offiziersmesse für die Mannschaft gehalten zu haben. Besonders bedanken möchte ich mich bei Kapitän Waldemar Maciej Lewandowski für die guten Gespräche über das Weltgeschehen und die Seefahrt, bei Chefmaschinist Haranczyk Boguslaw Kazimierz für die ausführlichen Erklärungen der technischen Zusammenhänge im Maschinenraum, beim Koch Jumagado Esperanzo Labrague für all die köstlichen Mahlzeiten, beim Schiffselektriker Zeinedin Elvir, dass er mich mit auf den Mast am Vorschiff zur Kontrolle der Lampen mitgenommen hat, beim Seemann Bautista Albert Timbang, dass ich ihm mitten auf dem Pazifik eine waschechte Seemannstätowierung machen durfte, beim Seemann Paragan Aldren Manayon für das beste Karaoke das ich je erleben durfte und vor allem beim dritten Offizier Turcic Gianni der mich als erster an Bord empfangen hat und mir während meines gesamten Aufenthalts hier an Bord, jede noch so blöde Frage geduldig beantwortet hat. Ich wünsche allen Besatzungsmitgliedern der ANL Bindaree allzeit Gute Fahrt!